70er Jahre Mode Männer

70er Jahre Mode für Männer: Eine Stilreise durch die Vergangenheit

Wenn ich an die 70er Jahre Mode für Männer denke, sehe ich sofort breite Kragen, enge Schlaghosen und auffällige Muster vor mir. Diese Dekade war in vieler Hinsicht besonders. Sie war rebellisch, laut, verspielt. Und vor allem: mutig. Als jemand, der sich schon lange mit Modegeschichte beschäftigt, fasziniert mich dieser Abschnitt bis heute. Ich erinnere mich an Erzählungen meines Vaters, der damals mit Schlaghose und Lederweste über das Dorffest schlenderte. Für ihn war Kleidung kein Schutz, sondern ein Zeichen von Freiheit.

Die 70er: Mehr als eine Farbe, mehr als ein Schnitt

Die Männermode der 70er war nicht einheitlich. Es gab verschiedene Strömungen, die sich überlagerten. Was heute kaum vorstellbar ist: Damals trugen viele Männer lila Anzüge oder gelbe Schlaghosen, ohne dass jemand auch nur mit der Wimper zuckte. Diese Stilvielfalt spiegelte die Spannungen und die Offenheit der Gesellschaft wider.

Farben, die heute kaum einer tragen würde

Orange, Senfgelb, Knallblau – das war Alltag. Die Kleidung schrie nach Aufmerksamkeit. Es ging darum, aufzufallen. Wer einen roten Samtblazer mit kariertem Hemd kombinierte, galt nicht als exzentrisch, sondern als angesagt.

Ich habe mal einen Secondhand-Laden in Hamburg besucht, der sich auf 70er Jahre spezialisiert hat. Der Besitzer zeigte mir ein Originalhemd aus 1974: weiß mit riesigen blauen Blumen und einem Kragen, so spitz wie die Revers eines Mafiafilms. „Das war das beste Stück für Samstagabend“, sagte er.

Man trug die Kleidung mit Stolz. Und mit einer Selbstverständlichkeit, die heute manchmal fehlt. Farben waren keine Stilmittel – sie waren Statements.

Schnitte, die Statements waren

In den 70ern war alles enger – zumindest obenrum. Hemden spannten sich über die Brust, Sakkos lagen wie eine zweite Haut. Gleichzeitig wurden die Hosenbeine breiter, zum Teil so sehr, dass sie die Schuhe komplett verdeckten.

Diese Silhouetten wirken heute ungewohnt. Aber sie erzählen viel über das Männerbild jener Zeit: selbstbewusst, auffällig, übertrieben. Und genau darin lag der Reiz. Ein Freund von mir hat einmal gesagt: „In den 70ern hat sich Mode getraut, zu übertreiben.“

Subkulturen und ihre Stile

Nicht jeder trug dasselbe. Die 70er waren ein Flickenteppich an Subkulturen, jede mit ihrem eigenen Kleidungsstil. Ich erinnere mich an meinen Onkel, der als junger Mann leidenschaftlich in einer Rockband spielte. Seine Lederjacke war ausgeblichen, die Jeans zerrissen. Das war nicht modisch im klassischen Sinn, aber authentisch.

Der Disco-Look

Hier drehte sich alles um Glanz. Satinhemden mit tiefem Ausschnitt, Plateauschuhe, enge Schlaghosen. Der Körper wurde gezeigt, auch bei Männern. Dieser Look wurde durch Filme wie „Saturday Night Fever“ populär. Es ging darum, auf der Tanzfläche zu glänzen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein Bekannter von mir zeigte mir ein altes Foto von seinem Vater – weißer Anzug, Kettchen um den Hals, die Haare in perfekte Form geföhnt. „Er war der Star im Tanzlokal“, sagte er. Man konnte sich richtig vorstellen, wie das damals gewesen sein muss.

Der Hippie-Stil

Wer eher alternativ unterwegs war, trug Fransenwesten, Batikshirts und Latzhosen. Die Stoffe waren oft aus Baumwolle, naturbelassen, weit geschnitten. Lange Haare und Stirnbänder ergänzten das Outfit. Es war ein bewusster Gegenentwurf zur Konsumwelt.

Hippies lehnten die Normen der Elterngeneration ab. Sie kleideten sich nicht nach Modediktat, sondern nach Gefühl. Und oft auch nach Ideologie.

Der Punk als Rebellion

Gegen Ende des Jahrzehnts kam der Punk. Zerschlissene Kleidung, Sicherheitsnadeln als Accessoires, schwarze Lederjacken. Dieser Stil war nicht nur Mode, sondern Haltung. Ich erinnere mich an ein Konzertfoto aus 1979, das ein Freund auf dem Flohmarkt fand: Drei Männer mit bunten Irokesen und zerrissenen T-Shirts. Kein Werbeplakat, sondern echte Straßenmode.

Punk war laut, direkt, unbequem. Und genau deshalb so faszinierend. Man konnte sich damit nicht verstecken – man zeigte Haltung.

Typische Kleidungsstücke der 70er Jahre Mode für Männer

Wenn ich einzelne Teile herausgreifen müsste, die sinnbildlich für die Männermode dieser Zeit stehen, wären es folgende:

Schlaghosen

Ein Kleidungsstück, das sofort mit den 70ern assoziiert wird. Sie waren ein Symbol für Freiheit. In meiner Jugend habe ich noch ein altes Paar meines Vaters getragen – und bekam tatsächlich Komplimente dafür. Besonders faszinierend: Die Weite begann meist erst ab dem Knie – ein bewusster Kontrast zur engen Oberschenkelpartie.

Hemden mit Riesenkragen

Kaum etwas schreit so laut „Siebziger“ wie ein Hemd mit ausladendem Kragen. Am besten in Kombination mit wilden Mustern: psychedelisch, floral oder geometrisch. Die Knöpfe waren oft zu weit geöffnet, die Brust leicht sichtbar – dazu eine goldene Kette. Das war gewollt. Und begehrt.

Plateauschuhe

Nicht nur Frauen trugen Absätze. Auch Männer wagten sich auf hohe Sohlen. Diese Schuhe waren unbequem, aber eindrucksvoll. Ich habe mal ein Paar in einem Berliner Vintage-Laden gesehen – ein Kunstwerk aus schwarzem Leder mit roter Sohle. Der Verkäufer meinte: „Die hier haben einige Nächte auf dem Dancefloor gesehen.“

Westen und Lederjacken

Je nach Szene waren Westen aus Wildleder mit Fransen beliebt oder eben die klassische Bikerjacke. Beides gab dem Look eine eigene Note. Die Weste wirkte lässig, die Jacke wild. Auch Jeansjacken mit Patches und Stickereien tauchten zunehmend auf.

Trainingsanzüge und Sportmode

Spätestens mit dem Aufkommen der Joggingbewegung kam auch Sportbekleidung in den Alltag. Adidas-Streifen und Zipper-Jacken wurden zu Straßenmode. Ich erinnere mich an ein Klassenfoto von 1978: Drei Jungs mit exakt denselben Trainingsanzügen. Heute würde man sagen: Streetwear.

Einflussreiche Ikonen der 70er Jahre Mode für Männer

Manche Looks wären nicht denkbar ohne bestimmte Vorbilder. Musiker, Schauspieler, Sportler – sie alle prägten das Bild des stilbewussten Mannes.

David Bowie

Er brach mit Geschlechterrollen, trug Make-up, hautenge Anzüge, Plateauschuhe. Sein Alter Ego Ziggy Stardust bleibt ein Meilenstein der Modegeschichte. Bowie beeinflusste nicht nur die Musik, sondern das Denken über Mode selbst. Er war wandelbar, unberechenbar – und gerade deshalb inspirierend.

John Travolta

Durch seine Rolle als Tony Manero wurde der Disco-Look weltweit berühmt. Der weiße Anzug mit schwarzem Hemd? Legendär. Plötzlich wollten alle Männer tanzen, gut aussehen und gleichzeitig cool bleiben.

Jimi Hendrix

Zwar starb er schon 1970, doch sein Stil war wegweisend. Bunte Muster, Stirnband, Fransenjacke – sein Look lebte in der Hippie- und Rockszene weiter. Hendrix verkörperte ein Gefühl von Freiheit, das sich auch in seiner Kleidung spiegelte.

Weitere Einflüsse: Freddie Mercury, Elton John und Marvin Gaye

Jeder brachte seinen eigenen Stil mit. Elton John etwa mit seinen überdimensionalen Brillen, Freddie Mercury mit tief ausgeschnittenen Tops und engen Hosen. Marvin Gaye kombinierte Eleganz mit Lässigkeit, trug Hüte und Lederjacken mit müheloser Coolness.

Warum die 70er Mode für Männer heute wieder relevant ist

Heute sehen wir viele Elemente dieser Zeit in moderner Männerkleidung wieder. Schlagjeans, weite Hemden, Retro-Muster. Selbst Plateauschuhe feiern ein leises Comeback in der Clubszene. Vintage ist kein Nischenhobby mehr – es ist ein Statement.

Ich glaube, das liegt am Spieltrieb. An der Lust, aus Konventionen auszubrechen. In einer Zeit, in der vieles gleich aussieht, sind diese modischen Ausflüge eine willkommene Abwechslung. Und manchmal auch ein Mittel gegen die Schnelllebigkeit des Alltags. Wer sich bewusst anzieht, zeigt Haltung.

Fazit: Die 70er Jahre Mode für Männer als Ausdruck von Mut

Wenn ich eins aus dieser Zeit gelernt habe, dann das: Mode kann Geschichten erzählen. Sie war laut, aber nie leer. Die 70er Jahre Mode für Männer war ein Spiegel einer bewegten Gesellschaft. Und vielleicht ist sie gerade deshalb wieder so spannend.

Wer heute Teile von damals trägt, zeigt nicht nur Geschmack, sondern auch Mut. Und das macht Mode am Ende doch aus: den Charakter, der durch sie sichtbar wird. Die 70er waren nicht perfekt, aber sie waren kompromisslos. Und das sieht man ihren Kleidungsstücken bis heute an.

Nach oben scrollen